Euer Pile of Shame ist eigentlich ein Pile of Options

Im Gegensatz zu vielen anderen in meiner Generation, bin ich recht Videospiel arm aufgewachsen. Ich besaß nie eine Playstation, hatte bis vor kurzem nur schlechte Rechner und meine erste Konsole war die Wii. Eines Weihnachtens bekam ich eine Xbox 360, was mir das erste Mal die Möglichkeit gab, auch Nicht-Nintendo-Spiele zu spielen. Leider nutzte ich diese Option kaum für Singleplayer-Spiele und so geschah, was geschehen musste: Viele sogenannte „Must Plays“ zogen über die Jahre an mir vorbei und das, obwohl bei mir noch die One, die WiiU und eine Switch folgten. Über Jahre hinweg habe ich diese Wissenslücken als etwas negatives abgetan, als Schandfleck oder eben als „Pile of Shame“. Bis jetzt.

Anmerkung: Normalerweise versteht man unter dem „Pile of Shame“ die Spiele in der eigenen Sammlung, die man nie beendet oder gar begonnen hat. Heutzutage würde ich aber jedes Spiel, das man selbst als „Must Play“, beziehungsweise „will ich noch nachholen“, bezeichnet, als Teil dieses Berges ansehen. Vor allem durch Sales sind viele dieser Spiele heutzutage günstiger zu kriegen als ein belegtes Brötchen beim Bäcker. Ob dies nun gut oder schlecht ist und eventuell öfter zu übereifrigen Käufen führt, ist zwar eigentlich Thema einer anderen Diskussion, sollte aber dennoch nicht völlig unerwähnt bleiben.

Eines solltet ihr euch zunächst bewusst machen: Gebt euren „Pile of Shame“ auf. Das mag zunächst komisch klingen, aber ihr werdet verstehen, was ich meine. Wenn ihr es schaffen würdet, eine komplette Liste eurer fehlenden Spiele aufzustellen, und dann die Spielzeit daneben ausrechnet, die es benötigt, um diese „abzuarbeiten“, müsstet ihr die Realisierung eigentlich schon selbst bemerken. Es ist nicht machbar. Noch während ihr den Berg versucht zu verkleinern schaufeln Spiele-Entwickler auf der anderen Seite neue Games drauf.

Mein Pile of Options

Um das besser zu veranschaulichen habe ich so eine Liste für mich selbst erstellt. Natürlich kann ich nicht garantieren, dass ich jedes Spiel aufgelistet habe, dass ich noch nachholen möchte, und man sollte auch nicht vergessen, dass ich manche Spiele auch gar nicht nachholen will. Ich bin lediglich die Top 2000 auf Metacritic und die Top 100 auf PC Gamer durchgegangen, um möglichst Vieles nochmal kurz in mein Gedächtnis zu rufen. Danach habe ich auf HowLongToBeat die „durchschnittliche“ Spielzeit für Main Story + Extras nachgeschlagen (keine Komplettierung) und kam letzten Endes mit meinen 29 Spielen auf 923,5 Stunden reine Spielzeit. Wenn man nun annimmt, ich müsste nicht schlafen, arbeiten, essen oder sonstige zeitraubende Dinge tun und könnte 24/7 spielen, wären das lediglich circa 39 Tage. In einer realistischeren Rechnung sähe dies natürlich anders aus. Würde ich lediglich 4 Stunden meines Tages mit spielen verbringen (was als Vollzeitkraft schon hochgeschätzt ist). bräuchte ich ungefähr 231 Tage um alle 29 Credits zu sehen. Eure Liste wird eventuell länger oder kürzer sein. Vielleicht wärt ihr auch schockiert darüber, was ich für mich nicht als „Must Play“ ansehe. Doch all das ändert nichts daran, dass wohl niemand diese Zeit hat.

Jeder kennt diese Monate, in denen Entwickler plötzlich alle möglichen Toptitel auf den Markt werfen (vorrangig zum Weihnachtsgeschäft). Man schafft vielleicht einen oder zwei dieser epochalen Spiele und snackt nebenher auch mal das ein oder andere Indie-Game weg. Aber niemals werdet ihr alles schaffen. Das Schöne daran? Ihr müsst es auch nicht.

Denn genauso wie die Branche starke Monate hat, hat sie auch manchmal schwache Phasen. Das ist der Moment, in dem ihr eure Liste an verpassten Spiele aus dem Ordner kramen solltet und gemütlich in das ein oder andere „Must Play“ eintauchen könnt. Als jemand, der manchmal etwas zu viel Zeit mit manchen Spielen wie zum Beispiel Rocket League oder Tetris Effect (Speedruns) verbringt, habe ich noch eine andere Methode gefunden diese Liste zu verkleinern: Let’s Plays. Ich weiß, ich weiß. Das mag zunächst falsch klingen und ich würde das bei weitem auch nicht bei allen Spielen tun, aber für manche eignet sich dieses Format bestens – vor Allem, wenn man sich für etwas interessiert, aber weiß, dass man beim Selbst-Spielen alleine keinen Spaß hätte. Auf einem zweiten Monitor oder Overlay kann man bei Spielen, die etwas weniger Aufmerksamkeit benötigen, gerne auch mal ein anderes Game mit laufen lassen.

Eine neue PB in Trackmania während ich unten links die MGS-Reihe bei Timetodrei nachhole

Es gibt leider bei vielen das typische Mindset, dass man sich dafür schämen müsste bestimmte Spiele nicht gespielt zu haben – sowohl von den Betroffenen als auch von denen, die diese Spiele kennen. Doch genau da liegt der Fehler. Seid froh darüber, dass ihr noch so viele Spiele vor euch habt. Nehmt es als Chance wahr, als Notnagel für schlechte Zeiten. Es ist kein „Pile of Shame“. Es ist euer persönlicher „Pile of Options“.

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